19.11.2019

Digitalisierungsworkshop von SBR-net Consulting AG

Zum ersten Mal hat SBR-net Consulting AG einen Workshop ganz im Zeichen der Digitalisierung veranstaltet. Die Veranstaltung brachte für alle Teilnehmer viele Vergleichsmöglichkeiten zwischen den Ländern Österreich und Deutschland. Die Teilnehmer kamen sowohl aus dem Bereich der öffentlichen Hand, wie der für Digitalisierung verantwortlichen Landes- und Bundesorganisationen aber auch aus privatwirtschaftlich agierenden Unternehmen.

Im Einleitungsvortrag von Dr. Ruhle (SBR-net Consulting AG) folgte, nach einem Überblick der Situationen in beiden Ländern, in welchem auf den DESI (Digital Economy and Society Index) und die Position der Länder (jeweils Mittelfeld) eingegangen wurde, die Aufschlüsselung der 5 Handlungsfelder der deutschen Digitalisierungsstrategie:

  • Digitale Kompetenz
  • Infrastruktur und Ausstattung
  • Innovation und digitale Transformation
  • Gesellschaft im digitalen Wandel
  • Moderner Staat

Diese werden, anders als in Österreich, nicht von einem eigenen Ministerium verwaltet, sondern von einem Zusammenschluss von 5 Einheiten (Digitalkabinett, Digitalrat, IT-Planungsrat, IT-Rat, Datenethikkommission), deren Mitglieder aus verschiedenen Bereichen aus Politik und Wirtschaft stammen.

In Deutschland und Österreich haben fast alle Bundesländer eine Strategie entwickelt, setzen dabei jedoch auf unterschiedliche Schwerpunkte und planen dafür, teils stark, divergierende Finanzhaushalte.

Im Licht der Digitalisierung wurde abschließend auf die Herausforderungen der öffentlichen Hand in Form von Bildung, Schaffung von Rahmenbedingungen, der digitalen Verwaltung und das Schnittstellenthema verwiesen.

Wolfgang Wisek von der Digitalisierungsagentur (Ö) ging zunächst auf die Notwendigkeit eines Masterplans für ganz Österreich ein und hob besonders hervor, dass sich Österreich im EU-Ranking in Bezug auf die Verwaltung stets unter den Top 3 befindet. Dementsprechend hat man es sich zum Ziel gesetzt, die erfolgreiche Implementierung von digitalen Prozessen und Hilfsmitteln und das damit geschaffene Know-how an Unternehmen, besonders KMUs, in Form von Förderungen für Beratungs- und Umsetzungsmaßnahmen weiterzugeben.

Wolfgang Weiß von GEO DATA stellte in diesem Zusammenhang die Plattform ZDE (Zentrum für digitale Entwicklung) vor, welche umfangreiche Hilfestellungen zu dem Thema Smart City (z.B. Umrüstung der Laternen auf LED und als spätere Technikträger für 5G, WLAN etc.) bietet. Aktuell gibt es noch Schwierigkeiten, den Kommunen den Mehrwert dieser, wenngleich doppelt so teuren, Laternen zu zeigen, welche sich jedoch zu einer lukrativen Einnahmequelle entwickeln könnten. In diesem Zusammenhang wurde erläutert, dass besonders kleine Kommunen deutlich besser auf den digitalen Ansturm gerüstet sind, jedoch viele aufgrund großer Unsicherheit, zögerlich mit der Umsetzung solcher Projekte sind, da man Angst hat, in eine Kostenfalle zu tappen und lieber auf Erfahrungswerte wartet, welche schwer geschaffen werden können, wenn niemand die Pionierrolle einnehmen möchte.

Kristina Röding von der Universität Siegen gewährte einen Einblick in eine Studie zur Digitalisierung von Kommunen in Nordrhein-Westfalen und insbesondere die Darstellung von Best Practices. Besonders wurde hier die Stadt Wien erwähnt, welche einen Mittelweg zwischen den Extremen, d.h. „Strategie ohne Rücksicht durchsetzen“ sowie „Marktteilnehmer miteinbeziehen“, fand. In diesem Zusammenhang wurde auf das Problem verwiesen, dass man bei einer Digitalisierungsstrategie schnell erste Ergebnisse vorzeigen muss, um das Interesse der Betroffenen nicht zu verlieren, andererseits das große Ganze nicht aus den Augen verlieren darf, wodurch eine Fehlallokation von Ressourcen auftreten könnte.

Michael Mairhofer vom Land Tirol (Ö) schloss an die Aussage von Fr. Röding an und lieferte einen Einblick in die Situation beim Breitbandausbau in Tirol. Von den ca. 280 Gemeinden werden nämlich 100 mit privatwirtschaftlichem Breitbandausbau versorgt und die anderen 180 haben entweder schon einen geförderten Glasfaserausbau oder befinden sich gerade in der Planungsphase.

Erreicht wurde dies durch die Masterpläne der Perioden 2013 bis 2018 und 2019 bis 2023 (letzterer wurde in Zusammenarbeit mit dem Land von SBR-net Consulting AG erstellt). Neben der guten Zusammenarbeit mit den einzelnen Gemeinden ist vor allem die rege Nutzung von Dark Fibre ein Garant, um die Amortisationdauer so kurz wie möglich zu halten. In Bezug auf die Digitalisierung spiegelt sich jedoch ein gänzlich anderes Bild wider. Da Bürgermeister und Amtsleiter kein Risiko eingehen wollen, ist es schwer, auf diesem Gebiet Fortschritte zu erzielen, daher muss erst ein Bewusstsein für dieses Gebiet geschaffen werden.

Marian Köller aus Niedersachsen (D) stellte anschließend den Masterplan seines Bundeslandes vor. Seit September werden KMUs Mittel zugesprochen, wenn sie in Digitalisierungsmaßnahmen investieren (max. 10.000 € gefördert). Besonders ist in diesem Zusammenhang, dass nicht nur physische Anschaffungen, sondern auch Weiterbildungen gefördert werden. Ausschlaggebend für diese Initiative war, dass Unternehmen in eine früher unattraktive Wirtschaftsregion zurückgeholt werden können. Schwerpunkte liegen hier besonders bei Gamification und künstlicher Intelligenz, Anreiz für die – vor allem kleinen – Unternehmen, insb. Entwickler, ist die ausgezeichnete Infrastruktur.

Bernhard Schmid von der Wirtschaftsagentur Wien unterstrich in seinem Vortrag die Bedeutung einer stetigen Weiterentwicklung sämtlicher Lebensbereiche. Als Beispiel nannte er Wien, welche zwar als Touristenstadt bekannt ist, durch IT-Konzerne jedoch 4‑mal höhere Einnahmen lukriert. IT hat sich für Österreich allgemein zu einem Exportschlager entwickelt und liegt in Relation mit seinem Umsatz über Deutschland und Finnland. Neben den Vorteilen in Bezug auf Komfort und Kostenersparnis bringt Digitalisierung auch einen wichtigen Vorteil für unsere Umwelt, aufgrund der Einsparungen bei Papier und Postwegen sinkt der CO2 Fußabdruck deutlich.

Last but not least hat Heiko Kahl sein Bundesland Thüringen in Form der Digitalisierungsagentur (DA) vertreten. In die Aufgaben der DA fallen die Umsetzung der Glasfasertechnologie, ein Rollout von Smart Cities, die Verstärkung von Telemedizin und die Versorgung von Bildungseinrichtungen mit Glasfaser sowie die Einbindung von digitalen Inhalten in den Lehrplan. Das Thema Datenschutz und die damit verbundene Unsicherheit sollen in Form einer Zertifizierungsstelle für Datenschutzbeauftragte bekämpft werden. Dadurch erhofft man sich, Menschen die Angst vor der DSGVO zu nehmen und sinnvolle Richtlinien zu schaffen.

Teilnehmer und Vortragende erarbeiteten dann zum einen ein definitorisches Verständnis von Digitalisierung, bei dem dieser Begriff wie folgt assoziiert wurde:

Digitalisierung ist bzw. bedeutet ...

  • Ein Prozess in privaten, wirtschaftlichen und öffentlichen Zusammenhängen
  • Chancengleichheit für Stadt und Land
  • Chefsache
  • Infrastrukturausbau
  • Vorreiterrolle einnehmen
  • Förderpolitik
  • Kosten reduzieren
  • Wertschöpfend
  • Der Mensch im Mittelpunkt

Weiters gaben die Referenten folgende Chancen und Herausforderungen durch Digitalisierung als maßgeblich an:

Chancen

Herausforderungen

Mensch im Mittelpunkt

Zugänglichkeit der Technologien

Bund, Länder und Kommunen haben verstanden

Bund, Länder und Kommunen müssen mehr verstehen

Nutzer im Fokus

Kompetenzen bilden/zukaufen

Wertschöpfung zurückholen

Belegschaft mitnehmen

Ländlichen Raum wettbewerbsfähig machen

Ehrlich und mutig über Zukunft diskutieren

Neue Anwendungen in neuem Kontext

Monitoring des Erfolges

Zeit/Komfortgewinn für Bevölkerung

Fachkräftemangel

Senkt Verwaltungskosten

Mut zur Umsetzung

Der gelungene Auftakt hat SBR-net Consulting AG motiviert, über eine Fortsetzung der Veranstaltung im Jahr 2020 nachzudenken.

Ihr Kontakt zu diesem Thema:

Dr. Ernst-Olav Ruhle

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