29.04.2020

Das ländliche Internet

In Zeiten von Corona offenbart sich erstmals, welche Konsequenzen der schleppende Breitbandausbau nach sich zieht. Während in großen Städten Menschen oftmals ihre Bandbreite für Home-Office und Homeschooling einfach per Knopfdruck erhöhen können, haben Menschen in ländlichen Gegenden, aber auch kleineren Städten, kaum eine Möglichkeit dazu.

Während ein Netflix-Stream in 4K mit etwa 25 Mbit zu Buche schlägt, sind es bei Full HD „nur" noch 5 Mbit. Videokonferenzen à la Teams, Zoom etc. stellen hier andere Ansprüche. Während Streaming eine schlechte Bandbreite durch Vorabladen (Buffering) kompensieren kann, ist dies bei Live-Sessions kaum möglich, nutzt bspw. eine 25 Schüler starke Klasse zur Gänze eine Webcam, damit Lehrkräfte die Reaktionen der Schüler besser deuten können, so steigt der Bandbreitenbedarf schnell auf das Niveau des besagten 4K Streams. Teilt der Lehrer nun auch seinen Bildschirm, oder bittet ein Schüler um Hilfe sodass er ihn teilt, stoßen mobile Verbindungen schnell an ihre Grenzen, zumal die Latenzperformance (dient der Qualität der Verbindung) einbricht.

In den betroffenen Gebieten kann man von solchen Werten oft nur träumen. Bereits vor den Toren der Landeshauptstädte gibt es Dörfer mit 2Mbit Down- und 0,5 Mbit Upstream, da die Kupferstrecken deutlich zu lang sind. Oftmals gibt es zwar einen erreichbaren Mobilfunkmasten mit LTE, doch sind gerade am Land nicht alle Frequenzen verfügbar, oder nicht voll ausgeschöpft, um Energie und Kosten zu sparen.

Während vor Corona zumindest 10/5 Mbit Down/Up von den meisten Haushalten erreicht wurden, verringert sich die Bandbreite immer weiter, da stetig mehr Menschen in das Mobilfunknetz flüchten, in der Hoffnung eine bessere Versorgung zu erreichen. Folge sind überlastete Sendeanlagen, welche oft noch durch Richtfunk als weiteres Nadelöhr versorgt werden.

Diese Defizite wurden von den meisten österreichischen Bundesländern bereits erkannt und Landesgesellschaften für den (Glasfaser)ausbau gegründet. Während der Breitbandausbau in Tirol weit fortgeschritten ist und auch Niederösterreich nach Vollendung der Pilotprojekte einen großflächigen Rollout anstrebt, sind auch Oberösterreich mit der FIS (Fiber Service OÖ) und die Steiermark (sbidi) dabei, die Versorgungslücken, welche nicht durch Wettbewerb oder eigenwirtschaftlich ausgebaut werden, schnellstens zu schließen.

In Deutschland zeichnet sich immer klarer der Trend ab, dass Kommunen und Stadtwerke sich in der Pflicht sehen, der Bevölkerung gigabitfähige Anschlüsse zu liefern. SBR unterstützt diverse öffentliche Institutionen, um sowohl das „Leiden" der Bevölkerung zeitnah zu lindern und andererseits die Wirtschaftlichkeit solcher Unterfangen zu ermöglichen.

Qualitativ hochwertige Infrastruktur ist in der Errichtung sehr kostenintensiv, jedoch kann sich ein eigenes Glasfasernetz innerhalb weniger Jahre zu einem nachhaltigen und wertigen Projekt entwickeln, eine entsprechende Planung vorausgesetzt.