27.05.2020

Web-Konferenz: Digitalisierungsworkshop

Am 14.05.2020 fand zum zweiten Mal ein Digitalisierungsworkshop mit den Schwerpunkten auf Deutschland und Österreich und den Strategien einzelner Bundesländer und Branchen statt. Aufgrund der Covid-19 Pandemie und den damit verbundenen Beschränkungen hat sich SBR-net Consulting AG mit Unterstützung von Stellwerk Digital und dem technischen Support von 24sound und filmagio dazu entschlossen, den Workshop als Live-Stream durchzuführen.

Den Teilnehmern wurde ein gefüllter Ablauf präsentiert. Die Einleitung übernahm Dr. Ernst-Olav Ruhle (SBR-net Consulting AG) in ZiB (Zeit im Bild) reifer Qualität, samt Greenscreen und Studiobeleuchtung. Bei den Vortragenden hat sich gezeigt, dass zwar die meisten, im Büro tätigen, Menschen Home-Office wahrnehmen können, doch eine stabile und leistungsstarke Internetverbindung als Grundvoraussetzung für die Qualität ganz wesentlich ist.

Unter den Vortragenden aus Österreich waren Wolfgang Ebner (BMDW), Christoph Westhauser (Land Niederösterreich), Thomas Schuhböck (Wien), Ernst Bach (Sozialbau AG) und Philipp Ambros (reqPOOL).

Wolfgang Ebner präsentierte die aktuelle Digitalisierungstrategie Österreichs, welche unter Ministerin Schramböck fortgeführt wird. Gerade in Krisenzeiten haben sich etliche Defizite aber auch Chancen gezeigt, wie die Entwicklung eines Übergangsszenarios 2022, um einer möglichen neuen Pandemie effizienter entgegenzuwirken.
Christoph Westhauser gab einen kurzen Einblick über den aktuellen Stand der Digitalisierung in Niederösterreich mit Ausblick auf geplante Meilensteine, wie die physische Errichtung des Hauses der Digitalisierung bei Tulln. Zusätzlich präsentierte er auch Daten zum laufenden FTTH Ausbau. Die Kosten der flächendeckenden Versorgung mit digitaler Infrastruktur wird auf 2,2 Mrd. € geschätzt, wobei 2/3 durch Betreiber und nöGIG und 1/3 durch direkten Eingriff der öffentlichen Hand gestemmt werden sollen.

Thomas Schuhböck führte den Gedankengang weiter und stellte Maßnahmen vor, wodurch sich Wien zur Digitalisierungshauptstadt Europas entwickeln soll. In diesem Zusammenhang vertraut man auf die Inklusion aller Stakeholder. Digitalisierung soll der Wirtschaft finanzielle Anreize und Erleichterung verschaffen und auf der anderen Seite der Bevölkerung sowohl eine Zeitersparnis als auch ein Schritt zu einer ausgewogenen Work-Life-Balance sein.

Philipp Ambros differenzierte in seinem Vortrag, dass nicht jede computergesteuerte Maschine künstliche Intelligenz (KI) besitzen muss. Fließbandroboter bspw. agieren nach präzise definierten Arbeitsabläufen, ändert man jedoch den Prozess, ohne die Software anzupassen, stünde man vor einem Problem, eine KI hingegen würde sich anpassen. Neben der Industrie sind KIs besonders für Behörden relevant. Einfache Aufgaben, wie das Beantragen einer Strafregisterbescheinigung sollen in absehbarer Zeit automatisiert werden. Herausforderungen hierbei sind Big Data, sowie die Sicherheit und Nachvollziehbarkeit.

Herr Direktor Ernst Bach zeigte vor, wie man Digitalisierung in der Praxis der Wohnugswirtschaft leben kann, um die zuvor erwähnten Ziele zu erreichen. Herzstück ist dabei eine eigens entworfene App, welche die Bewohner nutzen, um Probleme zu melden und informiert zu werden, wann ein Schaden behoben wird.

Deutschland wurde durch Heiko Kahl (Thüringen), Christoph Bechtel (Stellwerk Digital), Cornelius Roth (Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice) und Heiko Spitzer (entellgenio) repräsentiert.

Heiko Kahl war bereits beim ersten Digitalisierungs-Workshop im November 2019 Vortragender und hat diesmal 2 Projekte aus Thüringen vorgestellt. Zunächst wurde Thüringer Content Architektur Tourismus (ThüCAT) als touristisches Lexikon vorgestellt, welches eine Graph-Datenbank als technische Grundlage nutzt. Anschließend wurde das Patientenportal der Waldkliniken Eisenberg präsentiert, dies liefert Patienten wichtige medizinische Unterlagen, die aktuelle Medikation, umfassende Therapiepläne und alle Termine im Überblick. Ein Rollout in allen Thüringer Krankenhäusern ist bereits geplant.

Christoph Bechtel als Veranstaltungspartner definierte Tendenzen der kommunalen Digitalisierung. Bereits jetzt lassen sich 575 Verwaltungsleistungen identifizieren, welche digitalisiert werden können. Kritische Faktoren hierfür sind Infrastruktur und eine geeignete Plattform. Besonders Fehleinschätzungen des Managements in Bezug auf Budget und konkrete Umsetzung sind häufige Fehler.

Cornelius Roth gab Einblicke in die IKT Dienstleisterliste, welches Unternehmen die Möglichkeit gibt, ihre Anfragen gezielt weiterzuleiten. Weiters wurde das Innovationslabor der Technischen Hochschule Rosenheim und die damit verbundene Digitalisierungsbegleitung durch ein Studententeam unter Aufsicht eines Dozenten vorgestellt.

Last but not least verschaffte Heiko Spitzer einen Überblick über das Lebenszyklusmanagement digitaler Infrastrukturen. Um einen Glasfaserausbau so sinnvoll und effizient wie möglich zu gestalten, bedarf es einer umfangreichen Betrachtung von Erwartungen und Prognosen. Neben dem Aufzeigen von Handlungsalternativen, sowie deren langfristigen Auswirkungen führen fundierte Beratungen in weiterer Folge zu einem realitätsnahem Rechenmodell, wodurch sich Amortisation und Nutzen genau abzeichnen. Verschenkte Chancen in Zeiten der nahenden Bandbreitenknappheit sind nicht länger tolerierbar, wodurch eine unabhängige Betrachtung immer wichtiger erscheint.

In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass SBR-net Consulting AG nicht nur Länder in Form von Glasfasergesellschaften, sondern auch Unternehmen im Bereich des digitalen Wandels berät. Einerseits schafft man mit Kommunen und Ländern ein geeignetes Grundgerüst in Form eines Glasfasernetzes, andererseits bedarf es auch eines möglichst allumfassenden Nutzens dieser Infrastruktur in Form von Digitalisierungsmaßnahmen innerhalb von Unternehmen, sowie Behörden, um eine Daseinsberechtigung für Glasfaser zu schaffen und allen Stakeholdern einen finanziellen Anreiz zu schaffen, um das gemeinsame Ziel der Gigabit-Gesellschaft in Bälde zu erreichen.